Schauspiel der Schande

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Der Bundesligakommentar von Hans Zaremba

Nach 54 Jahren und 261 Tagen hat es mit dem HSV auch das letzte der 16 am 24. August 1963 an den Start gegangenen Gründungsmitglieder der Bundesliga erwischt: Die Hamburger haben das Oberhaus zu verlassen. Mit ihnen und den zuvor bereits abgestiegenen Kölnern müssen sich nun auch zwei traditionsreiche Großstadtclubs mit den westfälischen Zweitligisten aus Bielefeld, Bochum und Paderborn messen. Für die heimischen Freunde der Fußballmeister von 1963 und 1978 (Köln) und 1979, 1981 und 1982 (Hamburg) sind dies freilich drei Orte, die sie rasch ansteuern können.

Fragen nach dem Abstieg zum HSV::Der Bundesligakommentar des Chronisten der heimischen BVB-Freunde, Hans Zaremba, der sich unter anderem mit der Situation beim Hamburger SV nach seinem Absturz in die zweite Liga befasst.

Hamburg

Während die Rothosen auf dem Rasen gegen Borussia Mönchengladbach beim 2:1 zum Bundesligaende nach knapp 55 Jahren noch einen Sieg einfuhren, verwandelte eine kleine Gruppe unter den 57.000 Zuschauern auf den Rängen im Volksparkstadion einen ehrenhaften Abstieg in ein Schauspiel der Schande. Durch die Umsicht der Polizei konnte eine drohende Eskalation vermieden werden. Nach dem Rutsch in die zweite Liga kommen nun auf den Verein mit seinem umstrittenen Präsidenten Bernd Hoffmann als Aufsichtsratsboss der HSV-Fußball-AG viele Fragen zu. Wer wird jetzt die Aufgaben der auf seine Initiative geschassten Heribert Bruchhagen als Vorstandschef und Jens Todt als Sportmanager übernehmen? Wie stellt sich der HSV in Bälde den Umgang mit dem polemischen Investor Klaus-Michael Kühne vor? Manches provozierendes Interview des Milliardärs hat große Unruhe beim Traditionsverein hervorgerufen. Die treuen Anhänger der Hanseaten – von denen es auch etliche an der Lippe gibt – treibt vor allem der Gedanke um, wie rasch kann der HSV wieder in die Beletage zurückkehren? Bemerkenswert sind daher die Überlegungen einiger ihrer Lippstädter Sympathisanten, einen HSV-Fanclub gründen zu wollen. Dass dem einstigen Spitzenclub aus dem Stadtstaat jedoch ein schwerer Weg bevorsteht, belegt der Einwurf von Bernd Hoffmann im Bezahlfernehen am vergangenen Sonntag: „Wir dürfen nicht denken, dass wir wegen einer achtwöchigen guten Phase jetzt blühende Landschaften haben, wir müssen viele Steine umdrehen.“ Ein zutreffendes Urteil.

Dortmund

Mit reichlich Glück gelang es dem BVB 09, obwohl er bei der TSG 1899 Hoffenheim eine peinliche Schlappe (1:3) erlitt, sich noch für die Champions League 2018/19 zu qualifizieren. Die Partie der Dortmunder in Sinsheim geriet zu einem Sinnbild der Saison, das manchen aus der starken schwarzgelben Gemeinde – und auch bei den Lippstädter „Optimisten“ – in der nun beendeten Bundesligaspielzeit viel an Geduld abverlangt hat. Dass Borussia Dortmund das von ihrem Vorstandsboss Hans-Joachim Watzke ausgerufene Minimalziel noch erklommen hat, ist gewiss auch ein Verdienst ihres erst kurz vor Weihnachten geholten und nun wieder gehenden Trainers Peter Stöger. Wenn der BVB jedoch bald wieder zu einer echten Konkurrenz zum gegenwärtig übermächtigen FC Bayern München aufrücken und sich die breite Unterstützung seines Publikums sichern will, müssen die Verantwortlichen in der Ruhrmetropole zügig einige überfällige Personalmaßnahmen treffen. Da wird die Berufung eines neuen Coachs nicht ausreichen. Auch andere Verfügungen sind beim Champions-League-Sieger von 1997, achtfachen Meister und dreimaligen Pokalsieger nötig.

Gelsenkirchen

Für den ewigen Dortmunder Rivalen aus Gelsenkirchen und seiner ebenfalls beachtlichen Anhängerschaft in der Region mit den Gemeinschaften in Lippstadt (Graf Bernhard“) und Wadersloh („Füchse“) war es eine Genugtuung, im letzten Match die Eintracht aus Frankfurt mit 1:0 geputzt zu haben. Die Schalker konnten sich somit zumindest für die vor eigener Kulisse auf dem Berger Feld erlittene Schlappe im Pokalhalbfinale gegen die Hessen revanchieren. Für die Knappen war es trotz des verfehlten Endspiels um den DFB-Cup eine eindrucksvolle Saison. Zweiter in der Bundesliga und Erster im Ruhrgebiet hatte kaum einer der (vermeintlichen) Experten dem Team des Trainer-Novizen Domenico Tedesco zugetraut.