Welche Einblicke hat nun hansi Flick?

Hans Zaremba über den DFB-Kader

Eigentlich ist der Juni der klassische Monat für die Durchführung der im Turnus von vier Jahren veranstalteten Fußball-Weltmeisterschaften. Doch durch die sonderbare Entscheidung des Weltverbandes des Fußballs (Fifa) aus dem Dezember 2010, das nächste der seit 1930 ausgetragenen Turniere mit den Nationalteams im November und Dezember 2022 im arabischen Katar auszurichten, hat den seit vielen Jahren in Europa und in anderen Teilen des Erdballs verbreiteten Spielplan ratzekahl verändert.

Betrachtungen zur Verfassung der DFB-Auswahl: Der Chronist der Lippstädter BVB-Freunde, Hans Zaremba, analysiert die vier Auftritte der von Hansi Flick nominierten Männer in den Spielen der Nations League im Juni.

Mutmacher

Stattdessen fanden nun nach der Beendigung der Konkurrenzen in den europäischen Nationalligen mehrere Begegnungen der Nations League statt. Auch die im August 2021 von Hansi Flick als Chefcoach übernommene DFB-Mannschaft hatte nach einer strapaziösen Saison im Juni vier Darbietungen mit zwei Auftritten gegen Italien (1:1 und 5:2) sowie den Treffen mit England und Ungarn (jeweils 1:1) zu bestreiten. Die vier Länderspiele sollten dem Bundestrainer Einblicke über die Verfassung der Nationalelf vermitteln, ob sie nach den zum Schluss der langen Ära von Joachim Löw registrierten Schlappen inzwischen Fortschritte gemacht hat und international wieder mithalten kann? Das auffallende 5:2 gegen den aktuellen Europameister aus der vorerst letzten deutschen Partie in dem umstrittenen Wettbewerb, der für etliche seiner Kritiker der Uefa vornehmlich zum Profit dient, ist allenfalls ein Mutmacher. Freilich war die Ausbeute mit fünf Buden aus dem zweiten Italien-Match für die DFB- Mannschaft gut, aber nach dem Zwischenstand von 5:0 musste sie noch zwei Gegentore hinnehmen. Was nun die drei Remis und der eine Sieg wert sind, hängt auch davon ab, wie man die Ansprüche für den DFB-Kader für das Turnier im Winter 2022 anlegt.

Erwartungen

Aus der Mitte der Spieler waren durchaus selbstsichere Sprüche zu vernehmen. So soll der Kapitän Manuel Neuer gar vom Weltmeisterschaftstitel geredet haben, obwohl er immer wieder Kopf und Kragen riskieren musste, um Einschläge im von ihm gehüteten Gehäuse zu verhindern. Ebenso sieht der Teammanager Oliver Bierhoff die DFB-Equipe in der Weltspitze. Indessen fällt die Bilanz aus den vier Länderpartien in den elf Juni-Tagen doch verhalten aus. Trotz der fünf Tore aus dem jüngsten Italien-Spiel ist viel an Phantasie erforderlich, um sich mit Timo Werner (Chelsea London) und Leroy Sané (Bayern München) einen routinierten Angriff vorzustellen. Überhaupt sind die Zweifel mit Blick auf den 45-maligen Münchner Auswahlkicker groß, dem schon häufiger die nötige Reife für einen Nationalspieler aberkannt wurde und auch bei seinem Arbeitgeber an der Säbener Straße vermehrt seine Probleme hat. Ohne eine überzeugende Neun, wie sie einst Uwe Seeler und Gerd Müller verkörperten, fehlt einem Sturm ohnehin die rechte Durchschlagskraft. Gewiss verfügt Deutschland mit Kai Havertz (ebenfalls für die Londoner Blues am Ball) und Serge Gnabry (beim Rekordmeister in München unter Vertrag) über zwei weitere begabte Männer für die Offensive. Ihre Wirkungen hängen aber zu stark von den jeweiligen Tagesformen ab.

Aussichten

Während der letzten vier Länderspiele dürften sich die einstigen BVB-Profis Ilkay Gündogan (Manchester City) und Jonas Hofmann (Mönchengladbach) einen Platz für die Reise an den Persischen Golf gesichert haben. Unterdessen wird deutlich, auf wen der Bundestrainer setzt. Manuel Neuer im Tor, Antonio Rüdiger (bisher auch bei Chelsea, in Kürze für Real Madrid) in der Innenverteidigung, Joshua Kimmich auf der sechs und Thomas Müller davor, können die Achse in der Standardformation von Hansi Flick bilden. Überdies zeichnet sich auch für die WM 2022 ein starker Bayern-Block ab, was durch die frühere Tätigkeit des DFB-Coachs in München nicht sonderlich verblüfft. Pech könnte erneut Marco Reus haben, der auch bei den Berufungen für die Nations League wieder von Verletzungen gepeinigt wurde.