Bochum bleibt, Bielefeld zittert

Der Bundesligakommentar von Hans Zaremba

Weder der am 31. Spieltag erneut Meister gewordene FC Bayern München noch der voraussichtliche Zweite im Titelkampf, Borussia Dortmund, konnte eine Woche später überzeugen. Beide mussten zwei empfindliche Schlappen hinnehmen. Ungleich waren die Folgen der Partien für den VfL Bochum, der durch den Sieg beim BVB im Oberhaus bleibt, und Bielefeld, das nach dem Remis gegen Hertha weiter zittern muss.

Betrachtet kritisch die Arbeit von Marco Rose in Dortmund: Dies ist ein Aspekt aus dem Bundesligakommentar des Chronisten der Lippstädter BVB-Freunde, nach dem 32. Spieltag in der aktuellen Saison.

München 

Das erste Schaulaufen nach dem 3:1 des FC Bayern München im Zweikampf mit dem Dortmunder Verfolger und dem zehnten Gewinn der Schale in Folge war für den Branchenführer eine riesige Enttäuschung. Dem Ligaprimus war beim 1:3 in Mainz    anzumerken, dass es für ihn in dieser Runde um nichts mehr ging. Die Profis aus dem Münchener Ensemble wollten ihren blassen Auftritt beim FSV nicht interpretieren, dafür fand ihr Begleiter Julian Nagelsmann gegenüber den Journalisten deutliche Worte: „Ich finde, dass wir immer eine gewisse Grundleidenschaft im Spiel benötigen. Die hatten wir heute nicht.“ Die fünfte Saison-Pleite in der Bundesliga – so viele gab es zuletzt vor sieben Jahren für den Rekordmeister – wurmte den 34-jährigen Sportlehrer massiv: „Wenn es so wirkt, als ob wir irgendeinen Dienst abhalten müssen, ist der Punkt erreicht, wo wir etwas verändern müssen.“ Aus dieser Kritik des im letzten Sommer an die Isar geholten Coachs wird auch der Verdruss über das Versagen seines Teams in der Champions League und im DFB-Pokal spürbar. Die Erwartungen der erfolgsverwöhnten Verantwortlichen des an der Säbener Straße in München beheimateten deutschen Vorzeigevereins waren erheblich höher, die der aus Leipzig gekommene Mann in seinem ersten Jahr bei den Bayern nicht erfüllen konnte.

Dortmund

Besonders peinigend war es für die Borussia, im Nachbarschaftsduell gegen den VfL Bochum mit 3:4 das Nachsehen zu haben. Mit seinem begeisterten Einsatz konnte der vorjährige Aufsteiger beim designierten Vizemeister seinen vorzeitigen Bundesliga-Erhalt zementieren. Eine Niederlage gegen den angeblichen Underdog hatte der scheinbare Favorit aus Dortmund kaum erwartet. Folglich waren mal wieder die vielen BVB-Fans im einstigen Westfalenstadion und bei den Lippstädter „Optimisten“ regelrecht bedient. Die drei erzielten Tore der Schwarz-Gelben reichten nicht aus, aus dem Ruhr-Derby einen Sieg mitzunehmen. „Von den ersten elf Mannschaften hat Dortmund die meisten Gegentreffer“, erklärte nach dem Match der Sky-Experte Dieter Hamann zur auffallenden Unfähigkeit der Abwehr der Borussia, einen Vorsprung über die Distanz zu bringen. Für manchen Kritiker des Cheftrainers Marco Rose ein erneuter Fingerzeig für dessen greifbare Schwäche, ein Team zu formen. Die Frage nach dem richtigen Sportlehrer drängt sich einmal mehr auf. Es war beim BVB in 2022 nicht nur das erneute Verfehlen der Meisterschale zu notieren, auch die frühen Knockouts auf der europäischen Ebene und im DFB-Pokal quälen seine Psyche.

Bielefeld

Für die Entwicklung der Männer des großspurig zum „Big-City-Club“ ausgerufenen Vereins aus Charlottenburg könnte es ein gewisser Vorteil gewesen sein, in Bielefeld noch in der Nachspielzeit den Ausgleich zum Unentschieden von 1:1 kassiert zu haben. Statt den schon einkalkulierten sicheren Verbleib in der Bundesliga zu feiern, standen für die Blau-Weißen in der Woche nach ihrer Darbietung in der Leineweberstadt fraglos einige zusätzliche Einheiten des besonderen Trainings von Felix Magath auf dem Programm. Nach dem Remis aus dem Fight mit den Berlinern bleiben die Ostwestfalen Vorletzter. “Zwei Spiele sind noch übrig und da werden wir alles geben”, meinte nach dem Schlusspfiff der Mittelfeldspieler von Arminia Bielefeld, Patrick Wimmer, zur „Sportschau“. Es wird jedoch darauf ankommen, ob die Schwarz-Weiß-Blauen vom Teutoburger Wald den VfB Stuttgart noch vom Relegationsplatz stoßen und sich über diesen schweren Umweg ihren Platz im Oberhaus bewahren können.

Köln

Der Effzeh ist zum Kehraus der 59. Bundesliga-Auflage zum Team der Stunde geworden. Die von Steffen Baumgart trainierten Geißböcke gewannen in Augsburg ihr viertes Spiel in Serie. Damit sind sie drei Spieltage vor dem Ligaschluss auf den sechsten Platz vorgerückt, was ihre Perspektiven für eine Mitwirkung in der Europa League in 2022/23 vergrößert hat.