Der etwas andere Fanclub

Hans Zaremba über die OPTIMISTEN

Für viele Fußballfreunde des BVB 09 ist der 5. Mai ein besonderes Datum: Exakt vor 54 Jahren – am Donnerstag, 5. Mai 1966 – gewann Borussia Dortmund in Glasgow als erste deutsche Fußballmannschaft einen Europapokal und 34 Jahre später – am Freitag, 5. Mai 2000 – gründeten in Lippstadt 40 Fußballfans den BVB-Fanclub OPTIMISTEN mit derweil rund 170 Mitgliedern.

Erinnerung an die Gründung der OPTIMISTEN
am 5. Mai 2000:
Von links Markus Rüth, heute Schulsozialarbeiter in Lünen, Bernhard Scholl, Gründungsvorsitzender des BVB-Fanclubs Lippstadt, die verstorbenen Lothar “Emma” Emmerich (+ 2003) und Ferdinand Fabra (+ 2007), Alfred “Aki” Schmidt (+ 2016), und der Chronist der BVB-Freunde in Lippstadt, Hans Zaremba.
Archiv-Foto: Sammlung Hans Zaremba

Gründung
Gerne hätten die OPTIMISTEN wie sich die Gemeinschaft nach einer Idee ihres Mitbegründers und Ratsmitglieds der Stadt Lippstadt, Udo Strathaus, seit dem Sommer 2000 nennen, am kommenden Wochenende ihr 20jähriges Bestehen gefeiert. Mit ähnlichen Zusammenkünften wie im Mai 2005 im „Treff am Park“, als sie ihre Premiere im Internet präsentierten, vor zehn Jahren mit einer Ausstellung in der Thomas-Valentin-Bücherei und 2015 mit einem gemütlichen Stelldichein in ihrem heutigen Vereinslokal „Jathe`s Kegelbahnen“. Die Beschränkungen infolge der Corona-Krise lassen solche Versammlungen aber gegenwärtig nicht zu. „Aufgeschoben ist bekanntlich nicht aufgehoben“ setzt der seit zwei Jahren amtierende Vorsitzende der OPTIMISTEN, Oliver Weiß, auf die Zeit nach dem Corona-Shutdown. Die Initiative, im Frühjahr 2000 die im Vereinsregister eingetragene Gemeinschaft von Anhängern von Borussia Dortmund zu bilden, ging vom damaligen mobilen Jugendarbeiter der Stadt Lippstadt und den heute als Schulsozialarbeiter in Lünen tätigen Markus Rüth sowie von Bernhard Scholl, Vorsitzender der OPTIMISTEN von 2000 bis 2018, und dem Verfasser dieses Rückblicks aus. Von Beginn ihres Bestehens haben sich die Lippstädter BVB-Freunde als ein etwas anderer Fanclub verstanden.

Siegerehrung des Bolzplatzturniers am Hogrebenweg im Juni 2019:
Der Pokalgewinner in der älteren Staffel, die Straßenmannschaft „Asura“, hatte sich mit dem heutigen Vorsitzenden der OPTIMISTEN Oliver Weiß (links), zum Gruppenbild eingefunden.
Archiv-Foto: Kornelius Kruse

Gemeinwesenarbeit
Während in der Regel bei ähnlichen Zusammenschlüssen die gemeinsamen Reisen zu den Begegnungen der von ihnen geschätzten Fußballmannschaften vor heimischer Kulisse und bei den Auswärtspartien im Vordergrund stehen, war für die OPTIMISTEN die Gemeinwesenarbeit stets ein wesentlicher Faktor ihres Wirkens. Dies haben sie auch in ihrer Satzung bereits im ersten Paragraphen mit „Zweck des Vereins ist die Förderung der Gemeinwesenarbeit, insbesondere der Jugendarbeit“ dokumentiert. Kontinuierliche Beispiele dieses Einsatzes sind die seit dem Frühjahr 2001 im Zusammenwirken mit dem städtischen Jugend- und Familienbüro durchgeführten Turniere in den Hallen am Dusternweg und die seit 2002 jeweils zum Saisonabschluss gemeinsam mit dem Jugend- und Familienbüro und dem „Treff am Park“ angebotenen Freiluftwettkämpfe für junge Hobbyfußballer. Ein gelungenes Zusammenwirken von ehrenamtlicher und beruflich begleitender Jugendarbeit. Durch Besuche des BVB-Fanbeauftragten und Ex-Nationalspielers Siegfried „Siggi“ Held, der heimischen Landtagsabgeordneten Marlies Stotz, des Lippstädter Bürgermeisters Christof Sommer und seiner Stellvertreterin Sabine Pfeffer sowie des Lipperbrucher Ortsvorstehers Gunther Schmich haben diese Treffen immer wieder eine Wertschätzung in der Öffentlichkeit erfahren. Ebenso wirken die OPTIMISTEN, die seit dem Herbst 2002 auch dem Stadtjugendring angehören, bei den jährlichen Stadtteilfesten im Lippstädter Südwesten mit. Darüber hinaus sind sie in den vergangenen zwei Jahrzehnten auch mit anderen Initiativen in Erscheinung getreten. So unter anderem mit der Lehrstellenaktion in 2003 „Ohne Nachwuchs sehen wir alt aus“ und im Herbst des vergangenen Jahres mit einer Spende aus ihrer eigenen Vereinskasse für die Stiftung des Lippstädter Allroundkünstlers Matze Knop, die sich schwerpunktmäßig um die Belange von Kindern mit lebenseinschränkenden Krankheiten kümmert. Zudem zählten auch verschiedentlich Fahrten für die in Lippstadt aufgenommenen und betreuten jungen Geflüchteten zu Spielen von Borussia Dortmund im ehemaligen Westfalenstadion zur breiten Skala des nachhaltigen ehrenamtlichen Engagements der OPTIMISTEN.

Endspielort Wembley: Nach ihrer Ankunft in London am Samstag, 23. Mai 2013, zum Finale um die Champions League zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München präsentierten sich von links nach rechts mit Daniel Jathe, Nigel Roome, Philipp Hertel, Thomas Hilgers und Eberhard Beck fünf der elf Lippstädter BVB-Freunde, die eines der begehrten Tickets für das Match hatten.
Archiv-Foto: Sammlung Hans Zaremba

Vereinsleben
Auch das eigene Vereinsleben hatte von der Gründung im Mai 2000 bis zum jetzigen Zeitpunkt eine Fülle von interessanten Punkten zu verzeichnen: Dazu gehörten auch die Touren mit Reisebussen zu den DFB-Pokalendspielen in Berlin mit der Beteiligung des BVB 09 in den Jahren 2008, 2012, 2014, 2015, 2016 und 2017 sowie zum bislang einzigen deutschen Finale in der Champions-League in London zwischen der Borussia aus Dortmund und dem FC Bayern München im Mai 2013. Teil der Erinnerungen sind ebenso die Betrachtungen auf der Südtribüne im größten deutschen Fußballstadion, über die speziell der frühere Lippstädter „Oberborusse“, Bernhard Scholl, sein Nachfolger als Chefoptimist Oliver Weiß und das Urgestein der Lippstädter BVB-Fans, Eberhard Beck, eine Menge von Eindrücken berichten können. Es waren auch die OPTIMISTEN, die in dem in Kino und Fernsehen ausgestrahlten Streifen „Die gelbe Wand“ des WDR-Autors Klaus Martens mit Eindrücken von der 25.000 Zuschauerinnen und Zuschauer fassenden „Süd“, dem Epizentrum der BVB-Spielstätte an der Strobelallee, zu beobachten waren. In die bisherige Zeit des Bestehens der „Optimisten“, die am Freitag, 5. Mai 2000, im Beisein der zwischenzeitlich verstorbenen BVB-Legenden, Ferdinand Fabra (damals bereits 93 Jahre alt), einstiger Trainer und vormaliger Lehrer am Ostendorfgymnasium in Lippstadt, sowie die ehemaligen Nationalspieler Alfred „Aki“ Schmidt (64) und Lothar „Emma“ Emmerich (58), gegründet wurden, fielen insgesamt drei Supercup-Titel (2013, 2014 und 2019), drei deutsche Meisterschaften (2002, 2011 und 2012), zwei DFB-Pokalsiege (2012 und 2017) und bisher einmalig der Geschichte von Borussia Dortmund das Double von 2012 (Deutscher Meister und Pokalsieger in einem Jahr). Diese Triumphe wurden allesamt gebührend in den Stadien der jeweiligen Erfolge und in den Vereinslokalen der „Optimisten“ („Zum Krug“ von 2002 bis 2004 sowie „Jathe`s Kegelbahnen“ seit dem Herbst 2004) gefeiert. Bei ihren seit dem Gründungsjahr fortwährend veranstalteten Begegnungen in der Adventszeit waren oft prominente Repräsentanten von Borussia Dortmund in Lippstadt zu Gast: Neben den verstorbenen Fanbeauftragten Lothar „Emma“ Emmerich und Alfred „Aki“ Schmidt und deren Nachfolger Siegfried „Siggi“ Held auch der vormalige Pressesprecher der Stadt Dortmund und Archivar des BVB, Gerd Kolbe, und der über viele Jahre als Teammanger des Bundesligisten tätige Fritz Lünschermann. Sie hatten durch ihre engen Kontakte zu den schwarzgelben Lizenzspielern den OPTIMISTEN viele bemerkenswerte Episoden aus dem Bundesligaalltag zu berichten.