Rückkehr in die Bundesliga

Veröffentlicht am 

 von 

 in 

Hans Zaremba über den SC Paderborn 07

Als vor fünf Jahren der SC Paderborn 07 zum ersten Mal in die Bundesliga aufstieg, war vom Fußballmärchen im Hochstift die Rede. Allerdings nur für eine Spielzeit, da die Schwarz-Blauen bereits im Mai 2015 die Beletage des Fußballs wieder verlassen mussten. Die am vergangenen Sonntag besiegelte Rückkehr der Paderstädter ins Oberhaus des Berufsfußballs ist in Anbetracht der zwischenzeitlichen sportlichen Talfahrt des SCP schon eine große Überraschung, die am Montagabend bei Gewitterschauern in Paderborn vor dem Rathaus von rund 10.000 überwiegend im schwarz-blauen Ornat gekleideten Fans – auch mit etlichen Teilnehmern aus der Lippstädter Region – gebührend gefeiert wurde.

Symbol für die Rückkehr des SC Paderborn in die Bundesliga: Vor zwei Jahren noch kurz an der Regionalliga vorbei geschrammt, nun wieder im Oberhaus. Dies wurde am Montagabend in der Paderstadt nach dem Aufstieg der Schwarz-Blauen demonstriert.

Kader

Allein für die Tatsache, dass den Paderbornern innerhalb von nur zwei Jahren der Aufstieg aus der dritten Liga bis in die Bundesliga geglückt ist, verlangt Respekt. Eine Leistung, die sie im Wettbewerb mit den Großstadtvereinen Union Berlin (die Köpenicker müssen sich nun in der Relegation mit dem VfB Stuttgart beweisen) und den Hamburger SV (der ein zweites Jahr mit dem Unterhaus Vorlieb nehmen muss) als unmittelbare Konkurrenten geschafft haben. Neben der Eintragung ins Goldene Buch der Stadt Paderborn, die am Montag auf großen Leinwänden vor dem Rathaus übertragen wurde, präsentierten sich die Spieler und ihre Betreuer – mit dem Trainer Steffen Baumgart und Manager Markus Krösche – auf einer eigens vor dem Rathaus errichteten Bühne. Jetzt wird es für die Vereinsspitze des SCP 07 ernst. Es gilt einen bundesligareifen Kader zu formieren, der sich im bevorstehenden Überlebenskampf mit den anderen siebzehn Bundesligisten zu bewähren hat. Trotz zunehmender Fernsehgelder, die sich demnächst bei 30 Millionen Euro bewegen sollen, sind in Paderborn erhebliche Beträge aufzubringen, um die künftigen Bundesligaprofis bezahlen zu können. Im Gespräch ist an der Pader ein Etat von 15 bis 20 Millionen Euro. Ungewiss ist noch, wer künftig für die organisatorische Begleitung der Lizenzspieler verantwortlich ist, da der anerkannte Betreuer Markus Krösche seit geraumer Zeit mit RB Leipzig in Verbindung gebracht wird.

Großer Auflauf vor dem Paderborner Rathaus: Es waren rund 10.000 Zuschauerinnen und Zuschauer bei der Aufstiegsfeier des SC Paderborn 07 zugegen. Fotos (2): Karl-Heinz Tiemann

Stadion

Alles keine beneidenswerten Aufgaben für den Präsidenten Elmar Volkmann, der vor Jahresfrist sein Amt vom im Januar 2019 verstorbenen langjährigen Boss und Sponsor des Paderborner SC, Wilfried Finke, übernommen hat. Sollte es zum Wechsel des Sportgeschäftsführers nach Sachsen kommen, sieht der SCP-Chef den Verein gewappnet: „Wir werden nicht ganz unvorbereitet sein, wenn es passieren sollte“, lautete sein Statement im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Auf Dauer wird auch das Stadion zum Problem. Die Arena erfüllt zwar mit 15.000 Zuschauern nach den Statuten der DFL (Deutsche Fußball Liga) die verlangte Mindest- Kapazität und ist auch – wie gefordert – rundum überdacht. Doch seit dem 1. Juli 2017 müssen Erstliga-Stadien mindestens 8.000 Sitzplätze haben. Die 2008 eröffnete Spielstätte kommt derzeit nur auf 5.800. Eine Umrüstung von Steh- auf Sitzplätzen ist nicht möglich, da sonst die besagte Mindest-Kapazität unterschritten wird. Somit bleibt auf Dauer, wenn dem SCP diesmal der Klassenerhalt gelingen sollte, nur eine Stadionerweiterung übrig. Für die jetzt bevorstehende Bundesliga-Saison 2019/20 soll sie aber noch nicht erforderlich sein. Aber die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung, die am Montag auch zur Feiergemeinde zählten, werden sich zwangsläufig mit dieser Situation der 150.000 Einwohner zählenden Kommune zu befassen haben, wenn Paderborn seinen Anspruch als „Bundesligastadt“ auf Dauer wahren will. Dass eine Interessenabwägung zwischen der Stadt Paderborn und dem SC Paderborn 07 nicht immer ganz einfach zu bewältigen ist, hat der Streit um das Trainingsgelände im Herbst 2014 offenbart, als die Schwarz-Blauen ihre erste Saison im Fußballoberhaus bestritten. Doch aus den Fehlern der Vergangenheit will man im nahen Hochstift gelernt haben.