Die Probleme eines Berufsanfängers

Anmerkungen zu Stefan Effenberg von Hans Zaremba

Viele Erwartungen, aber auch reichlich Skepsis begleiteten den einstigen Bundesligaprofi Stefan Effenberg im Oktober zum Start in sein neues Berufsleben als Coach des SC Paderborn 07. Die forschesten Fans der Schwarzblauen an der Pader sahen mit “Effe” ihre Equipe schon vor einer baldigen Rückkehr ins Oberhaus, während die mehr zur Wirklichkeit neigenden Anhänger in der Region durch das Engagement des Trainernovizen mehr oder weniger einen rasanten Fall ihres Teams in die Bedeutungslosigkeit der dritten Liga befürchteten.

Das selbstbewusste Vorhaben des SC Paderborn 07 aus dem Mai 2014 ist bislang nur teilweise geglückt:Ein optimistisches Transparent in der Paderborner Innenstadt nach dem damaligen Aufstieg in die Bundesliga. Doch im Dezember 2015 mehreren sich an der Pader die Anzeichen eines Abstiegs in die dritte Liga. Die im Oktober 2015 vom Verein in der Bischofsstadt verfügte Verpflichtung von Stefan Effenberg als Coach konnte bislang die drohende Talfahrt der Schwarzblauen in die sportliche Bedeutungslosigkeit nicht aufhalten. Archiv-Foto: Hans Zaremba

Ernüchterte Fans

Es war zweifellos ein Wagnis, das der im benachbarten Hochstift ansässige Club mit der Verpflichtung des nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn überwiegend durch seine Eskapaden medial in Erscheinung getretenen ehemaligen Nationalspielers riskierte. Jetzt, ein knappes Vierteljahr später, ist der Zeitpunkt gekommen, eine erste Bilanz der Arbeit des neuen Übungsleiters in der Bischofsstadt zu ziehen. Wer von seiner Anstellung beim SCP 07 einen raschen Aufwind erhofft hatte, ist nun ernüchtert. Nach den anfänglichen Erfolgen mit dem neuen Chef an der Seitenlinie verharrt der Sportclub immer noch in der Abstiegszone und muss weiterhin befürchten, im Mai erneut den bitteren Gang in eine tiefere Liga antreten zu müssen. Insbesondere offenbarten das letzte Spiel der Paderborner in der Hinrunde im Unterhaus gegen die gleichfalls in der aktuellen Zweitligasaison enttäuschenden Düsseldorfer die handfesten Probleme des Berufsanfängers auf dem Trainerstuhl in der ostwestfälischen Kommune. Das Fazit der Nullnummer dieses Kellerduells lässt sich in vier knappe Worte zusammenfassen: Viel Aufwand, wenig Ertrag. Zwangsläufig müssen die seit etlichen Jahren vom Möbelkaufmann Wilfried Finke repräsentierten und geförderten Kicker des SC Paderborn auf dem Relegationsplatz mit drei Punkten Rückstand auf das rettende Ufer überwintern.

Furchtlose Spieler

Es wird das desaströse Spiel der Crew aus dem Hochstift in Bochum (0:4) gewesen sein, das den in Gladbach, München und Wolfsburg häufig überzeugend wirkenden Spieler in seiner heutigen Mission veranlasst haben muss, für das Match gegen die Fortuna aus der Landeshauptstadt mit Daniel Brückner, Mahir Saglik und Srdjan Lakic gleich drei seiner Zöglinge zu suspendieren. Dabei darf nicht unerwähnt bleiben, dass es sich bei den Dreien nicht um irgendwen handelt, sondern um den Publikumsliebling (Brückner), den Helden des Bundesligaaufstiegs in 2014 (Saglik) und um den Top-Verdiener (Lakic). Das Rätsel der Weisung: Die anderen Spieler wussten nicht so recht, warum es zu dieser drastischen Verfügung gekommen war und der Torjäger Nick Proschwitz sowie der aus Berlin stammende Süleyman Koc untermauerten dies auch noch vor laufender Kamera verblüffend furchtlos. Die Reaktion des SCP-Managers Michael Born (“Wir wollen eine neue Hierarchie in der Mannschaft und schauen jetzt nur nach vorn”) brachte ebenso keine schlüssigen Antworten für die schwer nachzuvollziehende Entscheidung des 47jährigen Sportlehrers. Bereits nach ein paar Wochen in der Verantwortung ist für den Neuling der Trainergilde schon fast alles wieder dahin. Die Aura des Ausnahmemannes auf dem grünen Rasen, der sich einst alle anderen zehn Spieler seiner Gruppe unterordneten, hat sich in seiner neuen Funktion nicht eingestellt. Vor allem die Souveränität, die ihn vor anderthalb Jahrzehnten als Leader des von Ottmar Hitzfeld formierten Ensembles des FC Bayern München auszeichnete, scheint ihm beim Coachen in den Niederungen des Fußballunterhaues abhanden gekommen zu sein. Der einst als großer Zampano in den Arenen der Bundesliga anerkannte Mittelfeldakteur ist nach sieben Begegnungen ohne Sieg nur noch ein kleiner Zweitligatrainer, der nun mit den bizarrsten Mitteln versucht, seinen Job nicht zu verlieren.