Bundesligakommentar

Abstieg von Schalke besiegelt 

Der Bundesligakommentar von Hans Zaremba

Die englische Woche mit den Begegnungen des 29. und 30. Spieltages wurde in München trotz der sportlichen Erfolge der Bayern gegen Wolfsburg (3:2) und Leverkusen (2:0) vom Zerwürfnis zwischen dem Sportlehrer Hansi Flick und seinem Arbeitgeber überlagert. Dazu beigetragen haben der Coach mit seiner öffentlichen Ansage, den Rekordmeister vor dem Auslaufen seines Vertrages in 2023 zu verlassen, und die Chefetage in der Säbener Straße an der Isar mit dem Rüffel zur Erklärung ihres leitenden Angestellten nach dem Treffen am Mittellandkanal in verschiedenen Medien.

Die Trainer haben sich emanzipiert: Das meint der Chronist der Lippstädter BVB-Fangemeinschaft, Hans Zaremba, in seinem Bundesligakommentar nach der englischen Woche im Fußball-Oberhaus.

München

Die Initiative des für die Nachfolge von Joachim Löw als Bundestrainer gehandelten Hansi Flick sowie das Ziehen ihrer Ausstiegsklauseln von Marco Rose in Mönchengladbach und Adi Hütter in Frankfurt haben offenbart, dass sich die Trainer emanzipiert haben. Waren es bisher die Vereine, die sich von ihren Übungsleitern trennten – in der aktuellen Bundesligarunde immerhin ein Dutzendmal -, erlebt der Berufsfußball gegenwärtig umgekehrte Schritte. Speziell in München hatte man damit wohl kaum gerechnet, als dort nach dem Rauswurf von Niko Kovac im Herbst 2019 der einstige Assistent des Coachs der DFB-Auswahl zum neuen Chefbetreuer des kostspieligen Kaders der Bayern berufen wurde. 

Schalke

Noch einmal zeigen die Schalker beim 0:1 in Bielefeld, was für ein Traditionsverein sie sind. Abgestiegen sind sie ausgerechnet gegen die Ostwestfalen. Schalke gegen Bielefeld war vor 50 Jahren – am 17. April 1971 – bei der verschobenen Partie zugunsten der Elf aus der Leineweberstadt jenes Match, das den damaligen Bundesliga-Skandal auslöste und den Vorortverein fast in die Selbstzerstörung führte. Jetzt verlassen die Knappen zum vierten Mal das Oberhaus. Auch ihre fünf Trainer in dieser Saison (David Wagner, Manuel Baum, Huub Stevens, Christian Gross und Dimitrios Grammozis) konnten die sportliche   Talfahrt nicht aufhalten. Aber es waren gleichfalls andere Probleme am Schalker Markt, die in 2020/21 den  Niedergang beschleunigt haben. Für den Aufsteiger des Vorjahres war der Sieg ein wichtiger Dreier, der Bielefeld den Verbleib in der Bundesliga in 2021/22 sichern kann. Die Liga verliert durch den Abstieg der Gelsenkirchener auch an Substanz. Denn die zwei Duelle im Jahr mit Borussia Dortmund sind die letzten verbliebenen alten Klassiker. Die durch das vermutliche Oberhaus-Comeback von Bochum bevorstehenden Reviertreffen mit dem BVB können kein Ersatz sein. Bislang haben es die Königsblauen zur Freude ihrer vielen Fangemeinden – wie in Lippstadt („Graf Bernhard“) und in Wadersloh („Füchse“) – stets geschafft, sich aus der zweiten Liga wieder zu befreien. Ob ihnen nun erneut eine baldige Rückkehr in die Bundesliga bevorsteht, wird von etlichen Beobachtern bezweifelt. Auch der Hamburger SV, der 2018 den bitteren Weg ins Unterhaus antreten musste, tut sich bereits im dritten Zweitliga-Jahr schwer, wieder die Beletage zu erklimmen. Noch dramatischer ist der Verfall von Kaiserlautern, wie Schalke und Hamburg in 1963 ein Gründungsmitglied der Bundesliga. Der in den 1950er Jahren von Fritz Walter geprägte Club aus der Pfalz hat derzeit enorme Probleme, den drohenden tiefen Fall aus der Drittklassigkeit in die Regionalliga zu umgehen.

Dortmund

Es waren die aus den letzten Monaten bekannten Abläufe, die das Spiel von Dortmund im Vergleich mit Union Berlin bestimmten. Obwohl überlegen und mit 2:0 gewonnen, brachten sich die Schwarz-Gelben wiederholt in Gefahr. Man wird sich im Ruhrpott und bei den Anhängern des BVB 09 – so auch bei den „Optimisten“ in Lippstadt – angesichts der Tabellenplätze der Konkurrenten aus Wolfsburg und Frankfurt damit abzufinden haben, in der Champions League 2021/22 nicht dabei zu sein. Die Gründe für das sportliche Versagen der Profis liegen seit Wochen auf der Hand. Nach der Papierform des BVB-Aufgebotes war deutlich mehr drin. Den verpatzten Verlauf im aktuellen Bundesliga-Wettbewerb nur auf Corona und ein Westfalenstadion ohne Zuschauer zurückzuführen, wäre zu kurz gegriffen.