Bundesligakommentar

Schalke am Abgrund, Grübeln beim BVB

Der Bundesligakommentar von Hans Zaremba

Der 20. Spieltag war für die Bundesligisten aus dem Revier eine große Enttäuschung. Während sich der FC Schalke 04 kaum noch vor dem Abstieg retten kann, ist auch der langjährige Erzrivale aus Dortmund nach der Freiburger Pleite ins Grübeln gekommen.

Schalke

Neue Männer auf dem Rasen, weiterhin jedoch die alten Schwierigkeiten. Mit dieser Erkenntnis werden nicht sich nur die Bosse am Schalker Markt nach dem 0:3 der Knappen gegen Leipzig befasst haben. Ebenso dürften auch bei den Anhängern der Königsblauen in Lippstadt („Graf Bernhard“) und in Wadersloh („Füchse“) nur noch geringe Hoffnungen auf einen Klassenerhalt des Vorortclubs bestehen. Nach 14 Schlappen seit dem Start der 58. Auflage der Bundesliga befindet sich der Traditionsverein aus Gelsenkirchen mit neun Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz in einer nahezu schon ausweglosen Situation.

Dortmund

Der Nachfolger von Lucien Favre, Edin Terzic, musste sich nach der Partie in Freiburg wiederum wiederholen. Die vom BVB-Coach betreute Mannschaft mit ihren hochtalentierten Spielern absolvierte auch im Breisgau ein Match, wie es zuvor in der aktuellen Saison mehrfach zu registrieren war. Die fehlende Mentalität, Wehrhaftigkeit und Effektivität bescherte dem Vizemeister einen Hereinfall, der für die Perspektiven des einzigen an der Börse notierten Bundesligaclubs womöglich noch gravierende Konsequenzen entfesseln könnte. Lediglich 32 Punkte aus 20 Begegnungen sind nicht nur der BVB-Chefetage für ihr Vorhaben, die Champions League 2021/22 zu erreichen, zu dürftig. Die durch die Serie von Niederlagen ausgelöste Unruhe in Dortmund ist unterdessen ebenfalls bei den treuen BVB-Fangemeinschaften – wie bei den Lippstädter „Optimisten“ – genauso deutlich zu vernehmen.

Mönchengladbach

Der Gladbacher Betreuer Marco Rose, der wegen der derzeit kargen Erfolge von Borussia Dortmund dort vermehrt als möglicher Trainer gehandelt wird, ist mit seiner Aufstellung  gegen die vom Abstieg bedrohten Kölner Gäste in eine selbstgestellte Falle getappt. Mit seinem vermeintlichen zweiten Anzug, der gleich sieben Neuheiten in der Fohlen-Startelf hatte, verloren die Mönche erstmals nach drei Jahren wieder einen Vergleich mit dem Effzeh. Den Niederrheinern droht zum Missfallen seiner Sympathisanten nach dem 1:2-Derby der Anschluss an die internationalen Ränge zu entgleiten. Dagegen konnten Domstädter im Überlebenskampf wertvollen Boden gut machen und zum Behagen ihrer Freunde in Bad Waldliesborn (Karl-Heinz Rickmann) und in Wadersloh (Reinhold Schomacher) mit 21 Zählern den Vorsprung von vier Punkten gegenüber Hertha und Bielefeld – deren Spiel am Sonntag wegen massiven Schneefalls abgesagt wurde – sichern.

Berlin

Für Sami Khedira, dessen Verpflichtung bei der Hertha in der Fußballszene als gewagt betrachtet wird, wiederholte sich im Auftakttreffen des 20. Spieltages zwischen Berlin und München ein Erlebnis vom 1. Oktober 2006. Zu jener Zeit noch in Stuttgart am Ball, musste er auch damals gegen die Bayern zunächst auf die Ersatzbank und konnte wie jetzt an seiner neuen Wirkungsstätte erst später aktiv eingreifen. Die Verfügung des als Übungsleiter der Charlottenburger zurückgekehrten Pal Dardai ist verständlich. Schließlich hatte der Mittelfeldmann aus der deutschen Weltmeistercrew von 2014 zuletzt vor rund 16 Monaten im Startaufgebot seines vorherigen Arbeitgebers Juventus Turin gestanden. Somit kam der Mann, der den großspurig zum „Big-City-Club“ ausgerufenen Meister von 1930 und 1931 vor dem tiefen Fall in das Liga-Unterhaus retten soll, nur noch knapp zehn Minuten zum Einsatz. Unpassend waren nach dem 1:0 von München die Worte ihrer Lautsprecher Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge zur Verzögerung des Rückfluges des Starensembles aus der Hauptstadt. Sie entlarven von neuem die Arroganz der Bayern zu administrativen Geboten.