Bielefeld kommt für Paderborn

Der Bundesligakommentar von Hans Zaremba
Was sich eigentlich schon seit dem zweiten Aufstieg des SC Paderborn 07 in die Bundesliga im vergangenen Sommer abzeichnete, ist nun zum Leidwesen vieler Fußballfreunde in der heimischen Region zur bitteren Wahrheit geworden: Erneut müssen die Schwarz-Blauen das Oberhaus verlassen. Auch eine andere Erwartung der Beobachter und Experten hat sich am 32. Spieltag bestätigt: Der FC Bayern München brachte mit seinem 1:0 beim SV Werder Bremen seine achte Meisterschaft in Folge unter Dach und Fach und ist damit nun in der 57jährigen Geschichte der Bundesliga zum 30. Mal Deutscher Fußballmeister. Auch die wegen der Corona-Krise vor unbesetzten Rängen ausgetragenen Spiele beendete der Titelverteidiger souverän.

Ein Verlust für die heimische Fußballszene: Der Chronist der Lippstädter BVB-Freunde, Hans Zaremba, bedauert den Bundesligaabstieg des SC Paderborn 07.
Archiv-Bild: BVB-Fanclub Lippstadt e.V.

Paderborn
Nachdem sich der Übungsleiter der Paderborner, Steffen Baumgart, in den letzten Wochen stets betont kämpferisch zeigte, hatte auch ihn nach der bösen Niederlage von 1:5 am 31. Spieltag gegen Werder Bremen endgültig der Mut verlassen. Dies offenbarte der Trainer der Domstädter unumwunden im Bezahlfernsehen: “Ich bin maßlos enttäuscht. Wir haben es nicht annähernd geschafft, an die Leistungen anzuknüpfen, die uns bisher ausgezeichnet haben. Das macht mich nachdenklich und traurig. Wir dürfen so nicht auftreten, das ist nicht Bundesliga. Das sind nicht wir. Wir müssen nicht drumherum reden, es ist rechnerisch ganz weit weg.” Mit dem 0:1 am Dienstagabend in Köpenick bei Union Berlin war die Bundesliga vorerst für die Mannschaft aus der Paderstadt beendet, während nun Arminia Bielefeld als erster Aufsteiger künftig die Ostwestfalen im Oberhaus vertreten wird. Der Mitaufsteiger des letzten Jahres, Union Berlin, wird nach dem Sieg weiterhin in der Bundesliga verbleiben und kann die restlichen Begegnungen in Hoffenheim und gegen Düsseldorf gelockert bestreiten.

Dortmund
Eigentlich hat der Ballspielverein Borussia Dortmund die Chance, in diesem Jahr den neunten Meistertitel in der BVB-Geschichte zu holen, schon in der Hinrunde durch seine wechselhaften Auftritte verspielt. Ausgereizt waren die Trümpfe des Vizemeisters mehr oder weniger schon im September und Oktober, wo er in drei Treffen als Favorit jeweils nicht über ein 2:2 hinaus kam. Eine schwere Enttäuschung, die bei vielen der schwarz-gelben Fans – wie bei den „Optimisten“ in Lippstadt – gegenwärtig ist. Dass bei der Borussia nach dem 0:1 von Ende Mai gegen München die Luft raus ist, zeigte auch ihr schwacher Auftritt am 31. Spieltag – mit dem mühevollen 1:0 – bei Fortuna Düsseldorf. Für die zum Saisonstart vom BVB-Chef Hans-Joachim Watzke recht forsch formulierten hohen Ansprüche der Borussia, um die Vergabe der Schale mitzuspielen, war das 0:2 am Mittwochabend gegen den Abstiegskandidaten Mainz ein peinlicher Vorgang. Es wird beim BVB viel zu bereden sein.

Gelsenkirchen
Mit Blick auf das Saisonfinale dürfte der Frust der Anhänger des Dortmunder Erzrivalen – so auch in Lippstadt („Graf Bernhard“) und in Wadersloh („Füchse“) – noch größer sein, zumal die sportlich erfolgreiche Phase der Knappen bis zur Weihnachtspause durchaus berechtigte Hoffnungen auf einen internationalen Rang vermittelte. Auf das Remis mit dem 1:1 gegen Leverkusen am letzten Sonntag folgte am Mittwoch in Frankfurt erneut eine herbe Schlappe (1:2). Damit ist die Stimmung am Schalker Markt mal wieder am Gefrierpunkt angelangt. Die Bosse der Königsblauen – mit ihnen auch der umstrittene Unternehmer aus Rheda-Wiedenbrück, Clemens Tönnies, als Vorsitzender des Aufsichtsrates – stehen jetzt vor schweren Entscheidungen. Über die fußballerische Talfahrt mit dem als Hoffnungsträger verpflichteten Coach David Wagner und dem 14. sieglosen Match hinaus ist der Revierclub auch wegen seiner immensen wirtschaftlichen Probleme schwer angeschlagen. Nicht von ungefähr hat vor wenigen Wochen der Finanzvorstand Peter Peters nach 27jähriger Tätigkeit beim Ligisten in der Gelsenkirchener Vorstadt plötzlich seinen Job zum 30. Juni gekündigt.