Wann rollt das runde Leder wieder?

Wann rollt das runde Leder wieder?

Eigentlich sollte am Osterwochenende das westfälische Derby mit dem SV Paderborn 07 und dem BVB 09 Dortmund in der Bischofstadt im Hochstift stattfinden. Auch dieses für die Fußballfans in der Region besonders reizvolle Match wurde wie alle anderen anberaumten Spiele seit dem 14. März infolge der Coronakrise von den staatlichen Institutionen verfügten Versammlungsverboten abgesagt. Wie lange dieser fußballlose Zustand noch anhält, ist derzeit nur schwer vorherzusagen. Ebenso unbestimmt ist, ob die Spielzeit 2019/20 überhaupt noch ordentlich beendet wird. Vielleicht ist auch in Deutschland ähnlich wie in Belgien von einem Abbruch der Saison von der Bundesliga bis in die Kreisklasse auszugehen, wenn nach den Osterferien keine merkliche Lockerung der strengen behördlichen Auflagen geschieht.

Eigentlich nur ein dezenter Hinweis: Die Mitteilung am Eingangstor des SV Lippstadt 08 an der Wiedenbrücker Straße schildert jedoch korrekt die aktuelle Situation des Fußballs von der Bundesliga bis zur Kreisklasse, die nun schon seit vier Wochen besteht und deren Ende noch nicht absehbar ist.

Saisonabbruch möglich
Dass ein abruptes Ende der Saison 2019/20 ebenso in ganz Europa möglich ist, argwöhnte kürzlich auch Aleksander Ceferin, Präsident des europäischen Fußballverbandes Uefa (Union of Europe Football Association), in einem Interview mit der italienischen Zeitung „La Repubblica“. Die Deadline des Slowenen: „Wir könnten Mitte Mai, im Juni oder sogar Ende Juni beginnen“, danach sei die Saison „sehr wahrscheinlich verloren“. Begleitende Effekte wären unter anderem: Ein geplatzter Triple-Traum von Bayern München und keine Krönung für den Regenten in Liverpool, Jürgen Klopp, mit dem Gewinn der englischen Meisterschaft für die Reds. Dem heimischen Fußball könnte ein plötzlicher Schluss indessen ein Verbleiben des Regionalligisten SV Lippstadt 08 in der vierten Spielklasse bescheren und den SV Paderborn 07 vor dem Abstieg aus dem Oberhaus bewahren. Allerdings dürfen weder die Lippstädter noch die Paderborner zuvor aus finanziellen Gründen das Handtuch werfen. Denn die DFL (Deutsche Fußball Liga e.V) hat bislang einem Artikel aus dem Fachblatt „Kicker“ nicht dementiert, wonach 13 Clubs von 36 Vereinen der ersten und zweiten Liga wegen eines Abbruchs des Spielbetriebs die Pleite droht. Zwangsläufig rücken nach solchen Meldungen wieder Geisterspiele (Treffen vor leeren Zuschauerrängen) in den Blick, zumal der NRW-Ministerpräsident Armin Laschet in der Karwoche dafür eine gewisse Bereitschaft signalisiert hat. Für die Paderborner eine Aussicht, Einnahmen zu bekommen, da sie an den Fernsehgeldern beteiligt sind. Aber für Lippstadt keine Perspektive, da der SV 08 keine TV-Euros erhält. Er ist verstärkt auf die Erlöse aus dem Ticket-Verkauf angewiesen.

Masseninsolvenz vermeiden
Dass Geisterspiele in einer virenfreien Sonderzone ablaufen könnten, hat am Samstag vor Palmsonntag der Virologe Alexander Kekulé in der ZDF-Sendung „Das aktuelle Sportstudio“ eingeräumt. Die Durchführung von solchen Begegnungen im Ober- und Unterhaus des Berufsfußballs hält der Direktor des Instituts für medizinische Mikrobiologie am Universitätsklinikum Halle/Saale zeitnah für möglich. Der Arzt stellte jedoch folgerichtig die Frage, „wie man den Menschen erklärt, dass der Fußball so eine Spezialbehandlung bekommt“, während dies den Berufstätigen in der Gastronomie, Reisebranche und in vielen Dienstleistungsbereichen, die sich in ähnlichen oder viel größeren Schwierigkeiten befinden, nicht zugestanden wird. Kurzum: Wenn nun kein regulärer Saison-Abschluss möglich ist, muss die DFL mit ihren Mitgliedern eine Lösung finden, um eine Masseninsolvenz zu vermeiden. Gefragt sind vor allem jene verhätschelten Männer, die seit Jahren maßlose Bezüge erhalten, die in keinem Verhältnis zu ihren Aufgaben stehen. Zur generellen Kürzung der Profi-Gehälter gibt es keine überzeugende Alternative. Damit sind aber die Probleme der vielen Amateurvereine – wie in Lippstadt -, deren Existenz in der Regel ohnehin vom vorbildlichen Engagement seiner ehrenamtlichen Funktionäre abhängt, nicht gelöst. Der DFB (Deutscher Fußball-Bund) wird unweigerlich in die eigene Schatulle greifen müssen, wenn er die Amateure nicht ins wirtschaftliche Abseits laufen lassen will.