BVB von den Bayern verdrängt

Der Bundesligakommentar von Hans Zaremba

Neun Spieltage dominierte Borussia Dortmund die 55. Auflage der Bundesliga. Dies insbesondere durch ihre ersten fünf Begegnungen ohne jeglichen Gegentreffer zum Saisonauftakt. Doch derweil hat sich das Bild gewandelt: Der FC Bayern München hat den BVB von der Spitze verdrängt und kann nun entspannt im Dortmunder Fußballtempel zum Topspiel des elften Spieltages gegen die Schwarzgelben auflaufen.

Sieht den BVB 09 derzeit in einer Krise: Der Chronist der Lippstädter BVB-Freunde, Hans Zaremba, analysiert in seinen kommentierenden Betrachtungen die Taktik des Dortmunder Trainers Peter Bosz.

Dortmund

Da die Westfalen beim Auftritt in Hannover eine bittere 2:4-Niederlage erlitten und der Titelverteidiger das Abendspiel gegen Leipzig mit 2:0 beendete, musste Dortmund die seit dem ersten Spieltag gehabte Tabellenführung an München abgeben. Es war bereits das dritte sieglose Liga-Match des BVB in Folge. So überraschte nachher die auch von etlichen Anhängern der Borussia in der Region und bei den “Optimisten” argwöhnisch beäugte riskante Taktik ihres Übungsleiters Peter Bosz nicht sonderlich. Doch der Bundestrainer Joachim Löw stärkte am Samstagabend im “Aktuellen Sportstudio” dem Niederländer den Rücken: “Im Moment ist die Balance zwischen Offensive und Defensive nicht so richtig vorhanden”, bemerkte der Nationalcoach: “Aber das funktioniert ja manchmal auch nicht auf Knopfdruck. Ein neuer Trainer braucht seine Zeit, seine Idee bei den Spielern zu verinnerlichen.” Jedoch werden diese Worte dem von Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc nach dem Scheitern von Thomas Tuchel geholten einstigen Bundesligaprofi von Hansa Rostock wenig helfen, wenn sich nicht bald erneut Dortmunder Siege einstellen. Ob dies aber dem BVB nun schon gegen die nach der Reaktivierung von Jupp Heynckes wieder erstarkten Bayern gelingt, erscheint angesichts der vergangenen drei Spieltage zweifelhaft.

Schalke

Von neuem dürften auch die Knappen ihre treuen Begleiter aus Lippstadt (“Graf Bernhard”) und Wadersloh (“Füchse”) enttäuscht haben. Statt durch einen Sieg gegen die Werkself aus Wolfsburg endlich näher an den Nachbarn aus Dortmund heranzurücken, mussten sie sich am Ende mit einem bescheidenen 1:1 zufrieden geben. Für die Königsblauen war es ein großes Manko, ohne ihren Ideengeber Leon Goretzka die Partie mit den Wölfen austragen müssen. Ein Umstand, der zugleich die viel zu dünne Personaldecke am Schalker Markt dokumentiert und die vom Vorstadtverein angepeilte Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb in der Spielzeit nach der Weltmeisterschaft 2018 zum Scheitern bringen könnte.

Hamburg

Die Hanseaten haben auch bei der Hertha in Berlin verloren und befinden sich aufgrund ihrer chronischen Offensivschwäche mit lediglich sieben Points weiter im freien Fall. Lediglich die noch ohnmächtigeren Bremer (fünf Punkte) und Kölner (zwei Zähler) liegen hinter dem Dino.

Köln

Was vor Jahresfrist auch bei den bekennenden Lippstädter Anhängern des Effzeh, Willi Budde aus der südlichen Kernstadt und Karl-Heinz Rickmann aus Bad Waldliesborn, kaum vorstellbar war, hat nun den von ihnen bevorzugten Ligisten erfasst: Pech, Unvermögen und innere Zerwürfnisse. Trotz ihrer guten Leistung im Derby in Leverkusen (1:2) stehen bei den Geißböcken, die mit zwei mickerigen Zählern den letzten Tabellenrang einnehmen, die Zeichen auf Niedergang. Ausgerechnet nun soll der HSV, der sich seit Jahren in einer Dauerkrise befindet und am letzten Wochenende in Berlin ebenfalls ein 1:2 kassierte, den Rheinländern Hoffnung und Besserung vermitteln. So meinte Peter Stöger, der gebeutelte Coach der Domstädter, nach dem Match bei den Farbenstädtern mit Blick auf die letzte Saison, wo die Rothosen nach zehn Durchgängen auch nur zwei Punkte aufweisen konnten: ‘Wenn Hamburg das schafft, können wir das auch.” Falls diese die Aussage des aus Wien stammenden Kölner Trainers mehr als nur Zweckoptimismus ist, muss sein Team am Sonntagnachmittag vor eigenem Publikum gegen Hoffenheim unbedingt einen Dreier holen.