Vom Boulevard in die Domstadt

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Hans Zaremba über Stefan Effenberg als Trainer in Paderborn

Nach dem im Mai erfolgten Abstieg des SC Paderborn 07 aus der Bundesliga und ihre Niederlagenserie im Unterhaus war es um die Schwarzblauen aus dem benachbarten Hochstift in den letzten Wochen spürbar leiser geworden. Doch mit der bemerkenswerten Verpflichtung des ehemaligen Weltklasse-Kickers und dem inzwischen zur Figur des Boulevards gewordenen Stefan Effenberg als ihren neuen Übungsleiter sind die Domstädter plötzlich wieder in den Blick der Fußballszene gerückt.

Sie wurden in der Domstadt vergeblich erwartet:Transparent in Paderborn am Tag des Aufstiegs des SC 07 in die Bundesliga. Anderthalb Jahre später ist Stefan Effenberg zu den Schwarzblauen gekommen. Archiv-Bild: Hans Zaremba

Wagnis

Obwohl der frühere Spieler der Bundesligisten aus Mönchengladbach, München und Wolfsburg bereits 2012 seine Ausbildung zum Fußball-Lehrer erfolgreich absolviert hat, kam es bislang zu keinem Engagement des heute 47-jährigen bei einem renommierten Club. Offensichtlich hat viele Vereine das durch mehrere skandalöse Auftritte in der Öffentlichkeit angekratzte Image von Effe davon abgehalten, mit ihm einen Vertrag abzuschließen. Nun ist der Möbelkaufmann Wilfried Finke in seiner Eigenschaft als Präsident des SC Paderborn 07 das Wagnis eingegangen, den heutigen Wahl-Münchener als Ausbilder beim sportlich angeschlagenen Zweitligisten anzustellen.

Qualität

„Stefan Effenberg kann ein großer Trainer werden, weil er die nötige Führungsqualität hat“, attestierte ihm vor wenigen Wochen in einem Fernsehfeature sein Lehrmeister beim FC Bayern München, Ottmar Hitzfeld. Der jetzt in Lörrach im Fußballexil lebende Ex-Coach war es auch, der den gebürtigen Hamburger bewogen hatte, den Trainerschein zu erlangen. Es müssen die erfolgreichen Entwicklungen vergangener Männer aus der Trainerschmiede an der Alme – von Jos Luhukay über André Schubert und Roger Schmidt bis zu André Breitenreiter – gewesen sein, die auch den Egozentriker Effenberg veranlasst haben dürften, einen Kontrakt in der ostwestfälischen Fußballprovinz einzugehen. Das unterstreicht auch seine Anmerkung: „Die eindrucksvollen Karrieren meiner Vorgänger zeigen, dass Paderborn für den Einstieg ins Trainermetier eine Topadresse ist.“

Rückkehr

Augenscheinlich befriedigte den einstigen Mittelfeldspieler die von ihm selbstgewählte Rolle nicht mehr, den Fußball nur noch von der Bande als vermeintlicher Experte eines privaten Fernsehsenders zu begleiten. Da auch vor viereinhalb Jahren die von ihm ins Leben gerufene „Initiative Borussia“ scheiterte, mit der er versucht hatte, in Mönchengladbach das Ruder zu übernehmen, blieb für ihn als Rückkehr ins Fußballgeschäft nur der Trainerjob übrig. Da passte es gut, dass der rastlose Fußballsympathisant Finke für das Unternehmen SCP 07 eine neue Aufmerksamkeit suchte. In dem Mann, der vor Jahren die Mittelfinder-Geste etabliert und in einem Interview mit einem Männer-Magazin Arbeitslose herabgesetzt hat, sieht der allmächtige Boss des Ex-Bundesligisten jenen Garanten, der sein Fußballbaby wieder ins Rampenlicht bringen und vor dem Fall ins totale Nichts der dritten Liga bewahren kann.

Perspektiven

Doch ein Name, der ehedem für Furore in den Stadien gut war und später überwiegend in den Gazetten außerhalb der Sportteile auftauchte, wird für den angestrebten fußballerischen Umschwung in der Stadt des heutigen Erzbischofs und vormaligen Lippstädter Pastors Hans-Josef Becker allein nicht ausreichen. Da müssen sich auch Erfolge auf dem Rasen einstellen. Der Start mit dem 2:0 gegen Braunschweig am vergangenen Wochenende war auf jeden Fall verheißungsvoll. Die nächste größere Bewährung steht dem Trainer-Novizen am kommenden Mittwoch in Dortmund bevor. Dann geht es gegen den westfälischen Rivalen um den Verbleib im DFB-Pokal. Vor über 80.000 Zuschauern im BVB-Fußballtempel, unter denen auch eine stattliche Gruppe von Lippstädter „Optimisten“ sein werden, ist gewiss kein leichtes Unterfangen.