Hoeness besiegt Hoeness

Der Bundesligakommentar von Hans Zaremba

Was vor Wochen kaum denkbar war, ist nach dem letzten Spieltag in greifbare Nähe gerückt. Die Meisterschaft für Berlin. Nach dem Sieg der von Dieter Hoeness gemanagten Hertha von der Spree über die von seinem Bruder Ulrich Hoeness begleiteten Bayern von der Isar ist der Gedanke von einem Titelgewinn der Hauptstädter keine Absurdität mehr. Wer die von dem Schweizer Lucien Favre gecoachten Fußballer in den vergangenen Wochen beobachtet hat, dem wird aufgefallen sein, dass sie so spielen wie einst der Rekordmeister. Nicht immer schön, aber effizient und erfolgreich.

Sieht ein spannendes Titelrennen und einen heftigen Abstiegskampf.Der Bundesligakommentar von Hans Zaremba, der die gegenwärtige Situation an der Spitze und am Ende der Tabelle analysiert.

Spannendes Titelrennen

Durch die Niederlagen von Hoffenheim (1:4 gegen Leverkusen) und München (1:2 in Berlin) hat sich eine bemerkenswerte Verdichtung an der Tabellenspitze gebildet. Die Differenz vom ersten Platz (Berlin) bis zum fünften Rang (Leverkusen) beträgt lediglich mal vier Punkte. Das kann noch ein richtig spannendes Titelrennen werden, das für die Männer des Dorfvereins Hoffenheim im Derby bei den Kickern des Großstadtclubs Stuttgart und die Münchener im Vergleich mit den Kölnern seine Forstsetzung findet. Mit der Paarung von Leverkusen und Hamburg findet zudem auch ein regelrechtes Spitzenspiel statt, für das sich der HSV mit dem 2:0 über Bielefeld und als neuer Drittplacierter bestens empfohlen hat. Auffallend ist auch, dass in dieser Saison die hochfavorisierten Bayern mit Jürgen Klinsmann auf der Bank bislang noch kein einziges Mal Tabellenführer waren, während sie in der vergangenen Spielzeit mit Ottmar Hitzfeld als Übungsleiter den Spitzenrang vom ersten bis zum letzten Durchgang innehatten.

Heftiger Abstiegskampf

Das 1:1 in Bremen war zwar für die Gladbacher das zweite Unentschieden in Folge. Doch geholfen hat es der Borussia nicht. Mit 13 Punkten bleibt sie das Schlusslicht der Liga. Unterdessen wird ihre Lage immer bedrohlicher, zumal es offenkundig erhebliche Differenzen zwischen der Mannschaft und ihrem knorrigen Trainer Hans Meyer gibt. Mit seinem scharfzüngigen Humor eckt der Thüringer auch bei seinen Spielern an. Seine Häme fördert das Duckmäusertum im Team, das er nach einem anonymen Protestbrief selbst beklagt. Es wird für den vorjährigen Aufsteiger zunehmend schwerer, aus diesem Teufelskreis noch herauszukommen. Jetzt erwarten die Mönche mit Hannover eine Equipe, die ebenfalls dringend Punkte benötigt, wenn sie nicht selbst vom Abstiegssog erfasst werden will. Wiederum keine einfache Aufgabe für den fünfmaligen Meister aus den 70ziger Jahren. Akut gefährdet sind auch Bochum, Cottbus und Karlsruhe, die allesamt erst 17 Zähler auf der Habenseite verbuchen konnten. Sie haben nun mit Bielefeld, Bremen und Frankfurt jeweils Gegner, die aufgrund ihrer eigenen Situation auch nichts zu verschenken haben.

Schalke und Dortmund

Die Zeit für Trainer Fred Rutten und Manager Andreas Müller geht nach der Niederlage der Knappen in Bochum (1:2) am Schalker Markt wohl allmählich zu Ende. Vielleicht wird das Derby zwischen den Erzrivalen aus Gelsenkirchen und Dortmund den endgültigen Ausschlag für eine Trennung der Königsblauen von ihrem Spitzenpersonal geben, wobei insbesondere die vergiftete Atomsphäre zwischen dem Nachfolger von Rudi Assauer auf dem Managerstuhl und den Fans des Traditionsvereins aus dem Pott die größte Belastung ist. Das 1:1 von Borussia Dortmund gegen Energie Cottbus war bereits das achte Unentschieden der Schwarzgelben vor heimischer Kulisse. Zu wenig für die Erwartungshaltung der großen Fanschar des BVB in der Region und von den Lippstädter Optimisten. Den Remiskönigen der Bundesliga bleibt als Trost, jetzt wieder vor dem Nachbarn von Schalke zu stehen, was sicherlich bei deren Anhängerschaft und den Wadersloher Füchsen nicht gerade Beifallsstürme ausgelöst haben dürfte.