Das Offensivspiel überwog

Eine Nachlese zur EM von Hans Zaremba

Es war ein spannendes Finale und am Ende gewann am Sonntagabend mit Spanien ein verdienter Sieger die Europameisterschaft (EM). Das von der Trainerlegende von Iberien, Luis Aragones, gecoachte Aufgebot war das einzige Team, das vom ersten Wettkampf mit den Russen bis zum Endspiel gegen die Deutschen keine größeren Schwächen zeigte. Zufrieden sein können auch die von Joachim Löw betreuten DFB- Kicker, die immerhin den zweiten Platz erreichten und am Montag auf der Fanmeile in Berlin von ihren Anhängern gebührend bejubelt wurden.

Von Klinsmann zu Löw

Deutschland hat bei der EM in Österreich und in der Schweiz nach den Enttäuschungen bei den Turnieren in Belgien und Holland (2000) und Portugal (2004) den schon bei der Weltmeisterschaft (WM) vor zwei Jahren gezeigten Aufwärtstrend fortgesetzt. Sicherlich ein Verdienst des Mannes an der Seitenlinie, der den von 2004 bis 2006 von Jürgen Klinsmann verantworteten Neuaufbau der Nationalmannschaft schlüssig weitergeführt und jetzt die WM 2010 in Südafrika zielstrebig im Visier hat. Insgesamt war die am 7. Juni im Baseler St. Jakob Park gestartete und am 29. Juni im Wiener Ernst-Happel-Stadion beendete EM- Konkurrenz ein attraktives Turnier, obwohl das Abschlussmatch lange Zeit von viel Taktik geprägt war. Das frühzeitige Ausscheiden des Titelverteidigers aus Griechenland offenbarte beispielhaft den Wandel vom destruktiven Mauerfußball zum konstruktiven Offensivspiel. Sehr zum Behagen der vielen Fußballfreunde auf den Rängen in den Stadien, vor den Fernsehern in den Wohnstuben und den Großleinwänden in den Städten.

Alleskönner stachen hervor

Neben den Spaniern trugen vornehmlich die Holländer, Portugiesen und Russen zu diesem Erlebnis bei und haben damit dem Fußball als Breitensport viele neue Impulse gegeben. Das bei der EM demonstrierte neue Denken führte dazu, dass die Zerstörer abtreten mussten und das Mittelfeld mit dem Trend zur Doppelsechs und Spielern, die ebenso absichern wie auch Triebfedern für den Angriff sein können, aufgewertet wurde. Es waren nicht die großen Spielgestalter früherer Turniere vom Schlage eines Bobby Charlton, Diego Maradona, Günter Netzer oder Wolfgang Overath, die die Szene beherrschten. Die mannschaftsdienlichen Alleskönner waren gefragt, die mit Einsatzfreude und Besonnenheit hervorstachen, sich aber schließlich in das System einfügten. Für die meisten Torhüter war die EM jedoch eine Enttäuschung. Selbst ein Keeper von absoluter Weltklasse wie Peter Cech musste erfahren, dass durch seinen Fehler die Mannschaft von Tschechien aus dem Wettbewerb schied. Auch der Nummer Eins des DFB, Jens Lehmann, unterliefen Patzer, die ihre Ursache in sein Reservistendasein bei Arsenal London haben dürften.

Fußball verbindendes Element

Die unzähligen Anhänger des Fußballs in Lippstadt und in der Region wünschen sich ähnlich offensive Begegnungen auch in der neuen Bundesligasaison, die am im August beginnen wird. Die Lippstädter Optimisten erwarten dies genauso von ihren schwarzgelben Dortmunder Borussen wie der Wadersloher Füchse von den von ihnen unterstützten blauweißen Schalkern. Zudem hat auch die EM in den Alpenrepubliken wie zuvor die WM in Deutschland erneut das verbindende Element des Fußballs zwischen den Nationen und Generationen unterstrichen. Die überwiegend gute Atmosphäre der Freiluftveranstaltungen bei den Übertragungen auf den öffentlichen Plätzen (wie auch in Lippstadt) belegt dies in eindrucksvoller Weise.