Eine solche Lage hatte die Bundesliga in ihren bislang 63 Jahren noch nicht erlebt: Mit dem VfL Wolfsburg, FC St. Pauli und 1. FC Heidenheim konnten bei identischer Punktzahl am letzten Spieltag noch drei Clubs die Relegation erreichen. Am Ende schafften es die vom Autokonzern am Mittellandkanal unterstützten und einstigen Lippstädter Jugendfußballer Dieter Hecking betreuten Wölfe. Nun haben sie noch die Chance, im Duell mit dem SC Paderborn 07 ihren Platz im Oberhaus zu halten. Nicht weniger reizvoll war es am vergangenen Sonntag in der Zweiten Liga, als sich die Domstädter mit zwei Zählern mehr auf dem Konto knapp vor Hannover durchsetzen.
Der Bundesligakommentar von Hans Zaremba

Hamburg
Mit dem 3:1 am Millerntor in Hamburg beförderte der VfL Wolfsburg die Kiezkicker in die Zweite Liga. Für den FC St. Pauli, der erst im Sommer 2024 in die Bundesliga zurückgekehrt war, ist dies bereits der sechste Abstieg. Und erneut die Bestätigung, dass in Deutschland im Vergleich zum europäischen Ausland selten zwei Erstligisten aus einer Stadt über einen längeren Zeitraum in der oberen Klasse verbleiben können. Zuletzt war diese Situation in Berlin aufgetreten, als Hertha nach der Spielzeit 2022/23 die erste Liga verlassen musste, während der in 2019 in die Bundesliga gelangte 1. FC Union Berlin sie bis in die Gegenwart gehalten hat. Indessen konnte der Lokalrivale des Kultclubs von der Reeperbahn, der HSV, mit 38 Zählern und auf dem 13. Rang dem ihm prophezeiten Wiederabstieg abwenden.
Heidenheim
Der zweite Absteiger des anziehenden Finaltages ist der 1. FC Heidenheim. Obwohl die Ost-Württemberger mit zehn Punkten aus den letzten fünf Partien wieder Glauben auf die Relegation und ein mögliches viertes Jahr in der obersten Liga hatten, war ihr Schicksal durch die Heimschlappe von 0:2 gegen Mainz besiegelt. Mit einer imposanten Reaktion –durchsetzt von Beifall und Dank – begleitete das Heidenheimer Publikum die Mannschaft nach dem vorerst letzten Match in der Beletage des deutschen Fußballs in die Kabine. Dazu passten die Worten des Langzeitcoachs des Clubs, Frank Schmidt: „Wir können uns alle zusammen was einbilden. So aus der Bundesliga rauszugehen, ist nicht selbstverständlich. Ich bin stolz auf den Verein. Lasst uns im nächsten Jahr wieder so zusammenstehen.“
Dortmund
Für den BVB war nach der zuvor bereits erreichten Vizemeisterschaft in Bremen nichts mehr zu holen. Auch Werder hatte schon das Ticket für die 64. Auflage in der Tasche. Es folgte am Osterdeich ein spannungsloser Kick. Daraus nahmen die Schwarz-Gelben zum Behagen ihrer treuen Anhänger – auch von den Lippstädter „Optimisten“ – ein 2:0 mit nach Westfalen. Nicht unverdient bei 73 Punkten, die jedoch durch viel Glück und nur wenige sehenswerte Auftritte der Borussia erzielt wurden. Die Forderung der Fans: Der vielzitierte „Gruselball“ in der Regie von Niko Kovac soll ein Ende haben. Mit oder ohne dem momentanen Trainer.
München
Der FC Bayern holte im treffen mit Köln und schloss die Saison als souveräner Erster mit 18 Zählern Vorsprung ab. Zudem knackten die von Vincent Kompany formierten Kicker mit 122 Toren den alten Rekord von 101 Buden aus 1971/72 des legendären Teams um Sepp Maier, Franz Beckenbauer (1945-2024), Gerd Müller (1945-2021) und Uli Hoeneß. Zugleich verabschiedete München mit Leon Goretzka einen aus Bochum stammenden Mittelfeldakteur, der in seinen acht Jahren an der Isar sieben Meistertitel gewann. Seine Vorbildfunktion wird den Bayern demnächst noch fehlen.
