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Hoffnung auf neuen Ruhm [24.07.2019]

Einwürfe zur dritten Liga von Hans Zaremba

Bevor die Bundesliga am Freitag, 16. August, mit der Begegnung zwischen dem FC Bayern München und der Hertha aus Berlin ihre 57. Auflage eröffnet und das Unterhaus am kommenden Wochenende mit dem Match der letzten Absteiger aus der Beletage des Fußballs, VfB Stuttgart und Hannover 96, seinen Wettbewerb aufnimmt, haben die Teams aus der dritten Liga bereits ihren ersten Durchgang absolviert. In dieser Spielklasse befinden sich unter anderem zehn ehemalige Erstligisten, darunter mit den Crews von Preußen Münster, MSV Duisburg, 1. FC Kaiserslautern, Eintracht Braunschweig und dem TSV 1860 München gleich fünf Gründungsmitglieder des am Samstag, 24. August 1963, an den Start gegangenen einklassigen Kicker-Oberhauses.


Analysiert die dritte Liga: Der Chronist der OPTIMISTEN, Hans Zaremba, der mit diesem Beitrag einen kritischen Blick auf die sogenannte 'Insolvenzliga' wirft.

Schmach

Für die Fans der verflossenen Bundesligisten und des DDR-Vorzeigeclubs 1. FC Magdeburg (in 1974 einziger Europapokalsieger des 1990 abgewickelten mitteldeutschen Staates), deren Fußball-Equipen in die dritte Liga abgestürzt sind, ein bitteres Los. Die baldige Rückkehr dieser Vereine ins Oberhaus ist mehr oder weniger ein aussichtloses Unterfangen. Vielmehr besteht bei diesen Drittligisten die Furcht vor dem Fall in eine noch größere sportliche Bedeutungslosigkeit, wenn ihnen in absehbarer Zeit nicht wenigstens der Schritt in die zweite Liga gelingt. Speziell für die Meister von 1966 (TSV 1860 München) und 1967 (Eintracht Braunschweig) sowie der Jahre 1951, 1953, 1991 und 1998 (1. FC Kaiserslautern) ist dieser Niedergang eine schwere Schmach, zumal sie zu ihren Glanzzeiten etliche renommierte Fußballer mit internationalen Format gestellt haben. Dazu einige markante Beispiele: Peter Grosser und Petar Radenković (TSV 1860), Lothar Ulsaß und Horst Wolter (Braunschweig) sowie aus Lautern die Nationalspieler Horst Eckel, Werner Kohlmeyer, Werner Liebrich, Fritz Walter und Ottmar Walter (die beim Weltmeisterschaftssieg von 1954 das Gerüst der von Sepp Herberger betreuten Elf bildeten) sowie Andreas Brehme (Mitglied jener Auswahl, der als Wiederaufsteiger in die Bundesliga von 1997 der bislang einzigartige Erfolg in der Bundesligageschichte gelang, ein Jahr später die Meisterschale zu gewinnen).

Fremdkapital

Was diese Clubs und die anderen 14 Mitbewerber neben der Hoffnung auf neuen Ruhm überwiegend jedoch belastet, ist die ständige Gefahr eines finanziellen Ruins. Folglich ist seit Jahren die dritte Liga als „Insolvenzliga“ verschrien. Im „Deutschlandfunk“ hatte der Sportökonom Daniel Weimer von Universität Duisburg-Essen vor dem Auftaktspiel der Löwen aus München gegen die Preußen aus Münster am vergangenen Wochenende (1:1) das Insolvenzrisiko in der dritten Liga als das am höchsten im deutschen Fußball bezeichnet. Als Grund dafür wurden vor allem die wesentlich geringeren Fernsehgelder im Vergleich zur zweiten Liga genannt, während der Spielbetrieb in seinem vollen Umfang ähnlich kostenintensiv sei. Ein Konstrukt, das die meisten Clubs zum schnellen Erfolg verdammt und sie zwingt, neue Wege mit Fremdkapital zu gehen. So schwören sie bei der Spielvereinigung Unterhaching (von 1999 bis 2001 in der Bundesliga dabei) auf Aktien. Kaiserlautern, Uerdingen und 1860 München vertrauen einem Investor. Die Hachinger träumen mit ihrem Boss Manfred Schwabl (einst im Oberhaus für die Bayern, Nürnberg und 1860 und mit vier Einsätzen in der Nationaltrikot selbst am Ball) innerhalb von drei Jahren auf einen Aufstieg in die zweite Liga. Ein strammer Plan, den auch ihr erster Saisongegner Kaiserslautern (wo Unterhaching ein 1:1 erreichte) verfolgt. Beim Verein vom legendären Betzenberg hat der Investor Flavio Becca, er gilt als einer der reichsten Luxemburger, schon ein Comeback in der Bundesliga vor Augen. Ein immenses und gewagtes Vorhaben angesichts der Talfahrt des am 2. Juni 1900 gegründeten 1. FCK. Noch im Mai war ein Darlehn des Geldgebers aus Luxemburg fällig, um die Pfälzer vor dem damals bereits bevorstehenden Kollaps zu retten. Der Mann aus dem Großherzogtum ist mit seinem anspruchsvollen Streben nicht alleine, vor ihm haben der russische Unternehmer Michail Ponomarew (Uerdingen) und der jordanische Geschäftsmann Hasan Ismaik (1860 München) ähnliche Pläne gefasst. In der Szene mutmaßen manche Beobachter, dass sich die Finanzleute mit ihren Engagements bei den Drittligisten in Stellung bringen wollen, um beim Wegfall der 50+1-Regel (die Kapitalanlegern nicht erlaubt, die Stimmenmehrheit bei Fußballclubs zu übernehmen, die ihre Profimannschaften ausgegliedert haben) die Vereine unter ihrer Knute zu bringen. Bei solchen Problemen in der dritten Liga überrascht es nicht, dass sich im Umfeld des örtlichen SV Lippstadt 08 – unabhängig von den sportlichen Möglichkeiten seiner Akteure – die Überlegungen eines theoretischen Aufstiegs der Schwarz-Roten von der Regionalliga in die nächste Kategorie in durchaus überschaubaren Grenzen halten.

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