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Massiver Knacks an der Pader [19.06.2019]

Hans Zaremba über den Ärger beim SCP 07

Als dem SC Paderborn 07 im Mai nach einer vierjährigen Pause überraschend die Rückkehr in die Bundesliga gelang, war der Freude in der Domstadt groß. Selbst die heftigen Regenschauer am Tag nach dem Wiederaufstieg hielten 10.000 Fans nicht davon ab, die Blau-Schwarzen vor dem Paderborner Rathaus gebührend zu bejubeln.


Paderborn am Montag, 20. Mai 2019: Am Tag nach der Rückkehr des SCP 07 in die Bundesliga war vor dem Rathaus in der Universitätsstadt noch viel Begeisterung zu spüren. Doch nach der Mitteilung der ursprünglich gewollten. am Mittwoch aber gestoppten Kooperation der Blau-Schwarzen mit RB Leipzig hat die Zustimmung bei den Fans für ihren Paderborner Verein große Risse abbekommen. Foto: Karl-Heinz Tiemann

Zulieferer

Doch diese Begeisterung hat inzwischen einen massiven Knacks erfahren. Der Grund ist die zunächst beabsichtigte und am Mittwoch widerrufene Kooperation des Aufsteigers aus dem Hochstift mit dem Bundesligisten RB Leipzig. Eine Zusammenarbeit, die es in dieser Form im deutschen Fußball bislang noch nicht gegeben hat, die in anderen Ländern aber üblich ist. Beispiele gibt es unter anderem in Österreich, wo der Schwesterclub der Leipziger, RB Salzburg, ein ähnliches Modell mit einem Zweitligisten in der Alpenrepublik pflegt, und die Interessengemeinschaft zwischen Manchester City in England und dem spanischen Erstliga-Aufsteiger FC Girona. Störend an der in Paderborn vermeldeten Konstruktion war für viele Anhänger des Wiederaufsteigers ihre zeitgleiche Bekanntgabe mit der Vorstellung des neuen Sportvorstandes der Leipziger, dem bisherigen SCP-Manager Markus Krösche. In der Domstadt befürchtete die Fan-Szene die Reduzierung ihres Vereins zum reinen Zulieferer des aus der Retorte geschaffenen RB Leipzig. Überdies sahen die Anhänger nun im vormaligen Sport-Geschäftsführer des 1985 aus einer Fusion entstandenen SCP 07 einen Erfüllungsgehilfen für die aufstrebenden Pläne des von einem Getränkefabrikanten geförderten Clubs in Leipzig. So war seit der Ankündigung der Abreden zwischen den Bundesligisten aus Westfalen und Sachsen bereits vom baldigen Verlust der Eigenständigkeit des SC Paderborn 07 die Sprache. Die Widerstände der aufmüpfigen Paderstädter unterstrichen, dass sie ein Zusammengehen mit dem in breiten Kreisen des Fußballs verpönten Leipziger Konstrukt ablehnen. Der diesjährige Pokalfinalist ist wegen des Geldgebers Red Bull und seiner Beziehungen zum stetig wachsenden Fußball-Kosmos des Getränke-Giganten umstritten. Immer wieder im Fokus steht auch die Struktur von RB. Stimmberechtigte soll es dort weniger als zwanzig geben, die meist dem Brauseunternehmen nahestehen sollen.

Bedrängnis

Stark in Bedrängnis geraten war in der ostwestfälischen Universitätsstadt vor allem der Vereinspräsident Elmar Volkmann, der die ersten Proteste der Sympathisanten des SCP 07 mit der kühlen Kommentierung „Demokratie im Verein heißt nicht, dass alles im Vorhinein von allen abgefragt wird“ abtat. Überhaupt scheint die Kommunikation beim Bundesliga-Rückkehrer nicht besonders ausgeprägt zu sein. Es war nicht nur Nachfolger des im Januar verstorbenen Ex-Präsidenten und langjährigen Sponsors Wilfried Finke, der sich von „den heftigen Reaktionen überrascht“ zeigte. Auch der einstige Spieler und spätere Funktionär der Paderborner, Markus Krösche, der durch seinen Übertritt nach Leipzig den Wirbel ausgelöst hat, agierte mit seiner Bemerkung „Mit dieser negativen Dynamik hat bei uns keiner gerechnet“ ebenfalls nicht überzeugend. Eine Gruppe der blau-schwarzen Jünger hatte mit einem Boykott aller Spiele des Aufsteigers gedroht. Aus einer von ihr veröffentlichen Stellungnahme war der Satz „Unsere Vereinsliebe stirbt mit dem Tag einer RB Leipzig Kooperation“ zu lesen. Den Argwohn der eigenen Gefolgschaft in Paderborn wie der Konkurrenz hat insbesondere die bisherige Geheimhaltung der Details der gewollten Arbeitsgemeinschaft genährt. Der Geschäftsführer des 1. FC Köln, Alexander Wehrle, meinte dazu im „Kicker“: „Wir sprechen hier von zwei Klubs aus derselben Liga: Das sollte man schon sehr genau prüfen.“ Trotz der Versicherung des heutigen SCP-Bosses, „keine RB-Filiale“ zu sein und des inzwischen erfolgten Rückziehers des Paderborner Vereins von dem angedachten Plan, ist der an Pader und Alme eingetretene Schaden schon beträchtlich. Es ist erst wenige Wochen her, da wurde nach dem Wiederaufstieg in die Bundesliga auf dem Rathausplatz voller Leidenschaft angestimmt: „Ganz egal, was auch passiert, Paderborn, du bleibst dir treu.“ Indessen ist Skepsis erlaubt, ob dieser Schwur noch zutrifft.

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